Auf dem Dachboden
von
© Mari-Wall
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Dagmar kam mit ihrem speziellen Fahrrad gerade aus dem Urlaub zurück. Ihre Familie bewundert sie für ihre Fahrradtouren durch Europa. Sie nimmt sich immer mal eine sportliche Auszeit und nutzt diese Touren als Trainingszeit für sich.
In diesem Jahr war sie erst im späten Sommer unterwegs. Anfang Oktober erreichte sie ihren Wohnort
und war voll Power in sich. Ihre Familie erwartete sie schon voller Sehnsucht. Sie saßen wie auf Kohlen, denn ein dicker Umschlag erwartete sie bereits. Kaum, dass sie angekommen war, überfielen sie Dagmar mit der Neuigkeit. „Halt, lasst mich doch erst mal Luftholen und einen Tee trinken.“
Sie klebten an ihr, wie die Fliegen. „Was ist los? Habe ich etwas verpasst? Oder ist jemand verstorben?“
Sie schauten sie mit großen Augen an.
„Das wissen wir nicht! Hier ist ein Brief für dich von einer Anwaltskanzlei.“
Ihr Mann reichte ihr den braunen Umschlag. Sie schaut ihn ungläubig an.
„Bonn? Ich kenne dort Niemanden und verwandte sind mir auch nicht bekannt aus dieser Region.“
Sie nimmt Genüsslich einen Schluck von ihrem Tee. „Ach der tut gut.“ Nahm das Messer und öffnete ihn. Vorher wog sie ihn in den Händen hin und her. Wunderte sich darüber, dass er nicht gerade leicht war. „Vielleicht ist es auch nur ein fake.“ „Mama, nun beeile dich, wir sind doch selbst so aufgeregt.“ Sie lächelte ihre Familie an. „Wieso habt ihr mir nichts davon gesagt? Ich hätte euch erlaubt hineinzuschauen.“
„Wir wollten dir die Vorfreude nicht nehmen. Könnte ja sein, dass du erbst?“ Ihre Hände zitterten nun doch ein wenig und vorsichtig zog sie den Papierstapel heraus. Guckte noch einmal in den Umschlag und sah, dass da noch eine flache Schachtel drin war.
Sie schaute ihrer Familie in die wartenden Gesichter. „Mama, mach es doch nicht so spannend. Öffne endlich die Schachtel.“
Sie lächelte nur und nahm sich die Papiere vor.
„Liebe Frau DagmarBecker!
Sie können sich sicher nicht mehr an mich erinnern. Ihre Oma Väterlich, war meine beste Freundin und erzählte mir reichlich vom Leben ihrer Familie. Da meine Ehe Kinderlos blieb und mein Gatte vor zehn Jahren verstarb, ist kein weiterer Erbe da. So beriet ich mich mit meinem Anwalt Dr. Joachim Finke, betreffs meines Grundstückes. Wir entschieden uns, das Grundstück mit allem dazu ihnen zu vererben. Bitte machen sie sich keine Sorgen. Es ist schuldenfrei und ein wenig Bargeld ist auch vorhanden. Ich werde nicht mehr auf dieser Welt agieren, wenn dieser Brief sie erreicht. Bitte, nehmen sie das Erbe an. Ihre Oma hätte es so gewollt. Mir tat es sehr leid, dass ihr Vater sich entfernt hatte von ihr. Den genauen Grund kenne ich nicht, doch würde ich mich sehr freuen, wenn sie mit ihrer Familie sich das Grundstück anschauen. Mein Anwalt wird alles weitere mit ihnen absprechen“ .
Sie schaute verwundert ihren Mann an. „Ich wusste nie, weshalb mein Vater keinen Kontakt mehr zu seiner Mutter pflegte.“ „Lese doch weiter, denn wir wissen doch gar nicht wie die Freundin von deiner Oma hieß.“
Das nächste Schreiben war eine Bestandsliste.
Anwesen von Hellena Wagner.
Haus: 8 Räume, 2 Badezimmer, Küche voll ausgestattet (hochmodern), zirka 230 Quadratmeter.
Gartenfläche 700 Quadratmeter.
Garagen sind 3 vorhanden.
Der Pool hat eine Größe von 200 Metern Länge und 7 Meter breite, überdacht und wird mit Solaranlage betrieben.
Anschrift: Rotdornallee 77 in Bonn
Dagmar blieb der Mund offenstehen und glaubte zu träumen. „Schatz, kneif mich mal, damit ich weiß ob ich träume oder wach bin.“
„Du träumst nicht und wir sollten unbedingt bei diesem Anwalt anrufen und fragen, ob er sich nicht geirrt hat.“
Die Kinder jubeln. „Wir fahren nach Bonn und schauen es uns vor Ort an.“
„Hier sind Pläne wie das Grundstück aufgebaut ist und dort steht auch der Name von der Freundin deiner Oma.“
Hellena Wagner, geborene Martin, wurde am 13. Mai 1930 in Bonn geboren.
Sie schaute verträumt auf alle Papiere und staunte nicht schlecht, „ob das nicht doch ein Fake ist?“
Nun nimmt sie die flache Schachtel zur Hand. Öffnete sie sorgfältig und sah darin ein Schlüsselbund. Sie nahm ihn in die Hand und drehte ihn in allen Richtungen. Ein kleiner Herzanhänger ist dran. Das Herz konnte man öffnen und darinstand, „Liebe mit ganzem Herzen.“
Dagmar atmete tief durch und schaute zur Uhr. 13:13 Uhr, „ich rufe an!“
„Hier ist Dr. Joachim Finke! Ja, sie sind richtig . Nein, es ist kein Fake! Ich habe von Frau Hellena Wagner lange Jahre ihre Anwaltsgeschichten betreut. Ihren Mann Martin kannte ich auch über 50 Jahre. Sie können jeder Zeit nach Bonn kommen und sich das Anwesen anschauen. Sie können gerne einen Termin machen, und die schriftlichen Angelegenheiten zu besprechen.“ Kurz sah sie ihren Mann an und meinte: „Ich habe die ganze kommende Woche noch Urlaub. Die Kinder haben Herbstferien und Du könntest Spontanurlaub einreichen.“ Er nickte zustimmend. „Hallo Dr. Finke, wir könnten sofort kommen. Das heißt übermorgen. Könnten sie uns ein Hotel empfehlen?“ Er lachte, ich glaube das brauchen sie nicht. Im Anwesen gibt es auch die Haushälterin Elfriede Ulrich. Sie wäre glücklich, wenn sie ihnen zu diensten sein darf.“
Aufregung pur, nun rasch etwas zu essen bestellen, denn für das Kochen ist keine Zeit mehr. Koffer packen und das Auto noch einmal durchsehen. Sie starteten in der Früh, damit die Autobahn noch nicht so voll ist. „Halleluja, Bonn wir kommen!“
Die Fahrt verlief wirklich reibungslos. Keinen Stau und plötzlich standen sie vor dem Anwesen. „Wau, Wie schön es ist. Kein Haus, eine Villa!“
Sie klingelten, obwohl sie ja einen Schlüssel haben. „Die Haustür öffnete sich und eine kleine Frau trat heraus. Hatte eine Fernbedienung in der Hand und drückte drauf. Sofort öffnete sich das große Gartentor und Sie konnten mit dem Auto vor einer der Garagen fahren. Sie gingen zur ihr und stellten sich vor. lachende Augen strahlten sie an, denn Elfriede strahlte eine mütterliche Wärme aus.
„Kommen sie herein. Ich zeige ihnen alles. Habe einen Imbiss vorbereitet, denn sie sind sicher sehr lange auf der Autobahn gewesen. Hörte, dass sie ganz vom Norden kommen.“ Sie gingen aufmerksam durch das Untergeschoß und dann führte Elfriede sie zur Terrasse. Dort war gedeckt, denn die Sonne schien besonders stark an diesem Tag.
Alle waren sehr angetan von dem, was sie bisher sahen. Das Panorama ist einmalig. Es fuhren gerade einige Schiffe auf dem Rhein vorbei. „Wie herrlich ist das hier? Können wir hier bleiben für immer?“ „Lasst uns erst mal den Rest ansehen und mit dem Anwalt sprechen.“ Nun nahmen sie das nächste Obergeschoß sich vor. Wirklich fantastische Räumlichkeiten. Nichts zu beanstanden. Es wurde gepflegt. „Elfriede, wohin geht diese Treppe?“ „Dort ist der Dachboden. Man könnte ihn auch noch ausbauen, wenn man es möchte.“ Sie gingen dann wieder hinunter und sahen sich die Küche noch einmal an. „Wahnsinn, wie modern sie eingerichtet ist. Es fehlt nichts. Man könnte meinen junge Menschen hätten sie eingerichtet.“
Jetzt klingelte es an der Haustür und Elfriede lief sofort hin. „Dr. Joachim Finke kam herein und begrüße die Haushälterin herzlich. Er steuerte direkt zu Dagmar Becker und dem Rest der Familie. Sie begrüßten sich und nahmen auf der Terrasse erneut Platz. „Elfriede bringen sie uns gerne Kaffee heraus“, bat der Anwalt.
Die Kinder wollten das Haus noch einmal sich genauer anschauen. Sie liefen natürlich zum Dachboden. Es gingen 13 Stufen hoch und die Tür war nicht verschlossen. Fiebrig öffneten sie die Tür. Es roch ein wenig nach Staub. Die Sonne schien durch ein Fenster und Staubpartikel sah man in der Luft flimmern. Hier gab es viel zu sehen. Auf einem Schrank lagen Konzertkarten. „Guck mal, von den Beatles aus dem Jahr 1960.“ „Hier liegt eine Tageszeitung von einem Feuersturm. Da ist eine Siedlung abgebrannt. Die ist uralt schon. Aus dem Jahr 1943. Oh wie schrecklich.“ „Kann man noch alles lesen?“ Sie schauten sich weiter um. „Dort hinten ist ein altes Grammophon und auch noch uralte Platten dazu.“ Sie fanden noch so einige wundersame Stücke. „Sind das jetzt Fundsachen? Oder gehören sie zum Erbe?“
„Mama, Papa, wir wollen hierbleiben. Das Haus gefällt uns sehr gut. Ihr müsstet mal auf dem Dachboden euch umschauen. Sehr abenteuerlich!“

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