Die längste Nacht
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von Mari-Wall *
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Tim flog mit seinen Kollegen zu einem Erfahrungsaustausch nach Kapstadt, Afrika reizte ihn schon immer. Der Chef von Ihnen Jonas Remülp ist so Ehrgeizig, dass er die höchsten Anforderungen von seinen Angestellten erwartet. Ungern lässt er sie alleine fliegen. Er konnte seinen wichtigen Termin in Paris nicht verschieben. Die Männer frotzelten schon, wer weiß wen er da inspizieren muss. Sicher so eine rothaarige Schönheit aus der Modellbranche.“ Sie trafen pünktlich 6:45 Uhr auf dem Flughafen Frankfurt/Main ein. Checkten sich mit ihrem Gepäck ein und gingen zum Guide. Der Flug geht in einer Stunde. Tim lud die Kollegen in dem Flughafenrestaurant zum Kaffee ein. Einen kleinen Imbiss nahmen sie auch noch zu sich. Sie hörten den Aufruf ihrer Fluglinie. „In zwanzig Minuten gehen sie bitte an Bord.“ Lachend reihten sie sich am Abfertigungsschalter ein und hatten ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen. Der Alte hat sich nicht lumpen lassen. Wir fliegen tatsächlich erste Klasse.“ “Tim pfiff anerkennend.“ Es dauerte noch eine gefühlte Ewigkeit, ehe die Maschine startete. Die Delta Air Line flog pünktlich ab. Die Flugzeit soll 12,10 Stunden betragen. Thomas rechnete natürlich sofort die Ankunftszeit aus. „“20:55 Uhr werden wir in Kapstadt landen, wenn alles glatt geht.“ „Uns wird ja doch nicht eine kühle Brünette entführen? Dann landen wir irgendwo, nur nicht in Afrika.“ „Kay flachse mal nicht so damit herum, wer weiß wen und was wir noch begegnen werden.“ „Thorsten sei mal nicht so ängstlich, hier in der Luft wird schon nichts schief gehen. Außerdem ist der Chef nicht anwesend und dadurch ist auch keine Gefahr. Lasse es uns genießen!“ „Die Wetterlage ist perfekt und wir fliegen in den Sommer. Afrika wir kommen und Usman bereite dich schon mal aufspannende Arbeitstage vor.“
Die Stewardessen liefen jetzt durch die Reihen und boten Getränke und kleine Speisen an. Kay orderte gleich mal eine runde
Whisky. Ihr Gesprächsthema war sehr Lebhaft, als die Maschine zu kippen begann. Einige Passagiere begannen sofort zu schreien. Der Pilot meldete sich in der Sprechfunkanlage. „Bitte bleiben sie alle sitzen und angeschnallt. Wir kommen in ein starkes Unwetter. Das Licht dämmen wir runter. Machen sie sich keine Sorgen, es sind nur Vorsichtsmaßnahmen.“ Die Maschine rumpelte und schüttelte hin und her. Manche Passagiere schrien. Alle paar Minuten wurde eine beruhigende Durchsage gemacht. Nur wurde es nicht ruhiger, sondern die Schreie lauter. Kinderweinen kam noch dazu. „Sollten wir schon einmal beten? Was meint Ihr?“ Plötzlich fiel das Licht aus. Tim begann beruhigend auf die Leute einzuwirken. „Bleibt alle ruhig. Das Flugpersonal macht alles, was nötig ist. Ich verspreche Euch, dass wir in einem Stück landen werden. Hört doch mal in euch hinein. Dann spürt Ihr, dass alles gut wird. Es ist nur ein Unwetter. „ Der Lautsprecher knisterte erneut: „Bitte beruhigen Sie sich. Bleiben sie angeschnallt und sollten wir Notlanden müssen, oder die Klimaanlage fällt aus, dann halten Sie sich bitte an die Anweisungen des Bordpersonals.“ Totenstille! Kay fragte Tim: „Was war das denn? Wie kannst du so etwas behaupten. Du weißt doch gar nicht, ob wir ohne Schwierigkeiten landen können.“ „Doch Kay, ich weiß es! Schließlich lebe ich seit Jahren nach meinem Bauchgefühl und es bestätigte sich immer positiv.“ Thomas drehte sich nach hinten und schaute in die verängstigten Gesichter. „Glaubst du wirklich, dass sie nun beruhigter sind?“ In den nächsten Minuten war es immer noch still. mit einem Male hörten sie in der zweiten Klasse Geräusche. Tim lächelte: „Wir haben einen Medizinmann am Bord. er trommelte sanfte, meditierenden Rhythmen.“ Es wurde so still, dass die gewisse Stecknadel, wenn sie fallen würde, man hören könnte. Erneut ruckte die Maschine und fiel ein Stück in die Tiefe. Alle schauten gespannt zu Tim. Er hob die Hand hoch und sprach: „Bitte bleibt weiterhin ruhig. Es kann nichts passieren, denn wir haben einen Medizinmann am Bord. Wir werden in Kürze landen müssen, doch der Pilot hat alles gut im Griff. Vertraut ihm!“ Das Flugzeug kam jetzt in Schräglage. Wieder kreischen. Erneut knisterte es im Lausprecher. „das rechte Triebwerk ist ausgefallen. Wir werden Landen, sobald ein geeigneter Platz ausgemacht ist.“ Die Maschine ging immer tiefer und zog mal wieder nach oben. Dann ging es immer tiefer. Die leichte Seitenlage blieb und man sah Wüste, Felder und eine Weidefläche. „Will er hier landen?“ „Nein, er wird zirka 20 Kilometer weiter ein geeignetes Plätzchen finden. Nun ruckelte es unter ihnen. Das Fahrwerk hat sich rausgedreht. Die Maschine flog noch tiefer und kurze Zeit darauf landeten sie mit hopsenden Sprüngen. Die Passagiere mussten sich mit dem Oberkörper auf die Kniebeugen, damit sie besser Schadensfrei davonkommen.“ Sie harrten noch lange aus, ehe sie aus der Maschine durften. Tim und seine Kollegen halfen dem personal bei den Hilfsarbeiten für die Passagiere. Sie inspizierten die Gegend und bemerkten, dass in der Nähe der Busch ist. Es heißt besonders klare Gedanken behalten. Hier können allerlei Tiere auftauchen, die hungrig sind. Die Stewardessen gingen den Familien mit Kindern zur Hand, um eine eventuelle Panik abzuwenden. Die nächste größere Ortschaft ist Namibia. Tim ortete erstmal den genauen Standort. „Namibia liegt ungefähr 300 Kilometer entfernt. Wir sind in einem Gebiet wo Naturvölker angesiedelt sind. Könnte sogar bald Hilfe kommen.“ Der Medizinmann setzte sich Abseits der Menschenmenge und begann zu trommeln. „Thorsten fragte Tim: „Was macht er? Will er die Wildnis beruhigen?“ Junge, du hast vielleicht merkwürdige Gedanken. Er ruft um Hilfe. Das ist sowie telefonieren.“ Das Bordpersonal holte Getränke und kleine Snaks hervor und verteilte sie. Somit sind sie beschäftigt und es tritt Ruhe ein. Tim schrieb Usman eine Nachricht, dass sie sich verspäten. Sendete den Standort und danach meldete er seinem Chef die gleiche Nachricht. Nur die ging nicht raus. „Typisch für Ihn. Handy ausgeschalten. Na dann hört er die Meldung halt über die Medien.“ Er hatte vorgesorgt und sich drei volle Powerbanks mitgenommen. Nun freut er sich darüber, denn sein Bauchgefühl hatte es ihm angezeigt. Seine Kollegen staunen immer wieder , dass Tim so gut vorbereitet ist für Notfälle. keinen Gedanken verschwendeten sie daran.“ Kay, weißt du noch in China? Da war er auch so gut ausgerüstet, als wir in so große Schwierigkeiten gerieten.“ “Ja, tim ist schon etwas Besonderes! Wir dürfen nie ohne ihn reisen. Lieber soll der Chef ständig nach Paris fliegen.“ Die Trommel verstummte. Alle schauten in seine Richtung. „Bitte hört in die Weite. Meine Familie antwortet.“ Totale Stille.Man hörte Trommeln aus verschiedenen Richtungen. „Hilfe kommt“, sagte der Medizinmann. Lauschend saßen sie alle am Boden und wagten kaum zu sprechen. „Sie kommen, sie kommen“, riefen die Kinder zuerst.
Dann sah man von Weitem eine Menschenmenge auf sie zukommen. Von zwei Seiten aus, waren sie zu hören und zu sehen. Es müssen Dorfbewohner sein, denn sie brachten reichliche Speisen mit, Decken und Kanister mit Wasser, die auf Pferden und Eseln gepackt waren. Erstaunt blickten sie Ihnen entgegen und die Bewohner der anliegenden Dörfer waren so bunt und am Sprechen, dass es in den Ohren summte. Miyu, der Medizinmann trat ihnen entgegen und verneigte sich vor dem Dorfältesten. Sie sprachen sehr lebhaft und dann hörten sie auf Deutsch: „Wo ist der Pilot der Maschine?“ Er trat nun aus der Maschine heraus, denn seine Versuche einen Funk abzusenden war nicht Erfolgreich. Die Begrüßung des Dorfältesten und dem Piloten war ein Wiedersehen, denn sie kannten sich. „Junge, was machst du nur, das dritte Mal eine Maschine zum Absturz gebracht!“ Erstaunt waren die Passagiere. „Wie meint er dies“, fragte Kay? Tim und die Anderen zuckten nur mit den Schultern. Die Dorfbewohner richteten ein große Tafel auf dem Boden aus. Legten Bambusmatten hin und die schönsten Speisen kamen zum Vorschein. Es wurde gut zugelangt. Die Kinder wurden rasch müde und durften sich in das Flugzeug setzen und ruhen. Natürlich gingen die Mütter mit. Es wurde gründlich gesucht und geschaut, ob auch nichts explodieren könnte. Sie hatten wirklich alle Glück, dass die Landung so perfekt von statten ging. So erfuhren sie auch, dass zur Hauptstadt telegrafiert wurde, betreffs der Notlandung. Es wird alles in die Wege geleitet und Busse geschickt, damit sie alle zum nächsten Flughafen kommen. Schließlich sollten sie spätesten übermorgen Weiterfliegen können. Tim und seine Männer konnten nicht zur Ruhe gelangen. Sie waren so aufgewühlt und lauschten der spannenden Geschichten der Dorfbewohner. Vor allen hörten sie genauer hin, weshalb der Pilot Georg Vari schon zum Drittenmale eine Notlandung vollziehen musste. Er ist ein ausgebildeter Spezialist für Jagdbomber. Somit ist er in der Lage, Probleme gut zu lösen. Georg Vari hat bisher jede Notlandung mit Bravour gemeistert. Thorsten, sowie Thomas waren noch immer innerlich in Aufruhr. „Weshalb gerade diese Maschine? Wollte der Chef uns mit einem Schlag beseitigen?“ Kay und Tim lachten laut auf. „Solch ein Bullshit! Woher hätte er dies wissen sollen? Schließlich ist er in letzter Minute erst umgeswitcht, mit seiner Parisreise.“ In der Nacht sind doch ungewöhnliche Geräusche zu hören aus dem Busch. Die Einwohner bliebe zur Sicherheit bei dem Flugzeug, um eventuelle Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Wer die Nacht ins Flugzeug wollte, durfte rein. Die Meisten folgten dem Aufruf. Nur Tim und Kay blieben lieber wach und wollten nichts verpassen. So harte Burschen, wie sie taten, waren sie doch nicht. Ihnen wurde es manchmal doch mulmig, denn es waren Löwen in der Ferne zu hören, ebenso Affen. Von Fern vernahm man auch mal einen Elefantenbullen. Die Nacht war so dunkel, dass die Geräuschkulisse unheimlich wirkte. Es traten später doch noch der Mond und Sterne in Sicht. Es ist ein malerisches Nachtbild am Himmel. Gegenmorgen kamen dann die farblichen Aspekte dazu. Der Himmel hat wirklich viele Farben in seinem Malkasten. Jeder Maler wäre glücklich, sie zu besitzen. Tim stand öfter mal auf um einige Schritte zu machen. Die Dorfbewohner waren sofort in wachsamer Stellung. Sogleich setzte er sich wieder hin. Kay flüsterte zu ihm: „Das ist meine längste Nacht. Noch nie musste ich solange ausharren.“ „Aha, was war mit deiner Abbi Feier?“ „Das kannst du doch nicht miteinander vergleichen! Du warst auch oft Nächtelang auf Partys und musstest am nächsten Tag in die Firma.“ „Stimmt! Das war vom Empfinden anders gewesen.“ Tim holte sein Smartphone hervor und schaute auf Nachrichteneingänge. Usman schrieb: „Wir wissen Bescheid. Eure Rettung ist unterwegs. Sie sollten am späten Nachmittag eintreffen. Danach geht es direkt zum Flughafen. Wir sehen uns Übermorgen! Kopf hoch, Ihr schafft es. So heißt es doch bei Euch?“ Wie versprochen trafen zwei Busse am Nachmittag ein. Sie stiegen ein und sogar die Gepäckstücke konnten alle mitgenommen werden. Sie kamen in der Nacht am Flughafen an. Die Maschine stand bereit und Thorsten meinte: „Was ist das denn? So eine Uralte Maschine. Ist die denn wirklich sicher?“ „Komm Junge, steig ein, eine andere Wahl haben wir nicht. Oder willst du wieder zurück in den Busch?“ Tim klopfte ihn auf den Rücken und schupste direkt in ins Flugzeug. Es dauerte keine halbe Stunde und die Durchsage des Anschnallen ertönte im Lautsprecher. Sie wurden um Verständnis gebeten und um Entschuldigung für die Umstände. Alle klatschten Beifall, denn sie waren glücklich weiter Fliegen zu können. Vor allem ohne Schaden. Usman holte sie in Kapstadt ab und sie mussten alles Haarklein berichten. Der Chef genoss seine Parisreise, denn er bekam von allem nichts mit. Erst in Frankfurt meldete er sich bei den Jungs, ob alles geklappt hätte? „Chef, bei Ihnen auch?“