Das unsichtbare Band
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von Mari-Wall
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Djamila wollte mit ihrer Tochter Soraya unbedingt in diesem Jahr nach Kannada fliegen. Sicher könnte es auch ein anderes Land sein, doch die Bären haben es Ihnen angetan. Wie es so ist, konnte die Urlaubssperre aufgehoben werden, denn solch eine Gelegenheit bekommen sie nicht gleich wieder. Bei einem Gewinnspiel im Frauenmagazin „Wer wagt, gewinnt“, machten sie mit und erhielten nach kurzer Zeit Post.
„Sie haben gewonnen! Ihre Reise beginnt ab dem 7. Oktober nach Kannada. Melden Sie sich bis zum 18. September, um die Reiseunterlagen fertigstellen zu können“ Erst war Ungläubigkeit vorhanden, dann klärte sich die Überraschungsphase und
Jubel trat in den Vordergrund. Inzwischen trat die Euphorie ein. „Wir haben gewonnen, schrie es aus ihren Mündern gleichzeitig.“
Djamila schrieb sofort ihrem Chef eine Mail und beantragte Urlaub, für diese Zeit. „Cool Mama, da haben wir Herbstferien und du brauchst mir nur für eine Woche die Befreiung beantragen.“ „ja, das sollte kein Problem sein, bei deinen Spitzennoten!“ In dieser Nacht träumten sie von wilden Bären. Sie hatten sogar tief im Traum ihr Reisefieber noch gespürt. Soraya wollte aus ihrem Traum gar nicht erwachen, denn ein Baby Bär hielt sie fest. „Ach wie süß bist du ? Wo ist denn deine Bärenmama? Nun stand ein Rancher hinter ihr und bat sie das Tier nicht anzufassen. „Die Bärenmutter kann zurückkehren und wenn sie Mensch riecht am Kleinen, lässt sie es im Stich.“ Soraya war ganz erschrocken. „Wo ist sie denn? Warum läuft das Kleine hierherum?“ „Es können verschiedene Perspektiven sein. Die Mutter ist tot. Sie sucht Futter. Oder beobachtet das Kleine, wie es sich verhält, wenn sie länger ausbleibt.“ „Wie kann man es herausfinden? „ „Natürlich nur durch Beobachtung. ich werde hier meinen Beobachtungsposten einrichten. Wollen wir mal hoffen, dass alles gut ausgeht.“ „Du solltest dich langsam zurückziehen. Wo ist deine Begleitung? Du bist doch nicht allein unterwegs?“ „Nein, meine Mutter schaut sich dort hinten den besonders großen Felsen an und den Baumwuchs. Sie interessiert sich immer für solche Sonderexemplare.“ In diesem Moment drehte sie sich zu Soraya und sah den Rancher bei ihr stehen. Mit erhobenen Augenbrauen lief sie auf die Beiden zu. Wollte schon losschreien, da legte der Rancher den Finger über seine Lippen und Soraya machte es ihm nach. Nun verstand Djamila die Geste. Kam langsamer näher und sah den kleinen Bären. „Oh, was bist du für ein drolliger Bursche? „ Soraya ermahnte ihre Mama sofort. Leise und nicht anfassen. Sonst verstößt seine Mama ihn.“ Sie drehte sich zum Rancher um und schaute ihn fragend an. „Ja, es stimmt! Das Beste wäre, wenn wir uns jetzt gemeinsam einen Unterstand suchen. Von dort können wir das Kleine beobachten.“ Behutsam gingen sie ein Stück nach rechts, um das Buschwerk zu nutzen, für den Beobachtungsposten. „Wir dürfen jetzt kein Krach machen. Ebenso auch nicht sprechen. Nicht einmal flüstern. Habt ihr das verstanden?“ Sie nickten nur. Man hörte wirklich nur den leichten Wind in den Blättern und das leise Schnaufen vom Bären. Der kleine lief jetzt ein wenig hin und her. „Ob er was hört? oder riecht er seine Bärenmama?“ Kay der Rancher legte erneut den Finger auf die Lippen und zeigte mit der anderen Hand in die Richtung des Felsen. Nun sah man einen weiteren kleinen Bären und die Große Mutterbärin. „Wie? Sie hat zwei Kinder?“ „Pst!“ Sie sehen ganz schwarz aus. Nur der eine hat einen Fleck in hellem Braun auf der Brust. Schwarzbären werden ja wirklich bis zu 1,55 Meter groß. Ihr Gewicht beträgt bis 190 Kilogramm. „Wahnsinn“ Wie hübsch sie aussehen.“ Nun ging das Kleinste zu Ihnen und drückte sich an die Mutter. Die Bärenmama schaute direkt in die Richtung wo die Menschen standen. Sie zeigte ihre volle Größe und dann drehte sie sich um und ging mit den Kleinen Richtung Flussbett. Die Bärenkinder sind ein Jahr auseinander. Das Kleinste wandte sich noch einmal um und schaute zu Soraya. Sie lächelte und winkte dem Bärenkind zu. Sie haben gerade ihr Winterquartier verlassen. Manchmal bleiben die Bärenkinder ein Jahr länger bei der Mutter. Kay nahm Djamila und Soraya noch ein Stück mit auf den Weg zum Quartier für Feriengäste. „Kay, wie merken die Bären, wenn die Mutter oder der Bärenvater in der Nähe sind?“ „Sie spüren die Verbundenheit, so wie ein unsichtbares Band.“
Der Wecker klingelte so laut, dass Soraya fast aus dem Bett fiel. Sie brauchte eine Minute, bis sie bemerkte, dass sie noch in ihrem Bett zu Hause liegt. „Mama, ich freue mich auf Kannada. Ich will die Schwarzbären unbedingt sehen?“ Djamila, drehte sich auch noch einmal um und wollte nicht aufstehen. Ihr Traum hielt noch sie fest, wie ein unsichtbares Band. „Mama, hast du geträumt? „Ja, von den Schwarzbären.“ „Ich auch! Wann geht es nun endlich los? Die Bären muss ich unbedingt sehen.“

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