Schnee von gestern
von Mari-Wall
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Cyril saß mit schwerem Herzen am See und sah den kleinen Bewegungen auf dem Wasser nach. Er kann noch immer nicht verstehen, weshalb Bärbel sich von ihm getrennt hatte. „Was war geschehen? Wieso kam sie von der Weiterbildung nicht zurück? Sie hatte doch noch vor einigen Tagen angerufen und berichtet, wie öde alles wäre.“ Die Sonne stand direkt mittig überm See und ließ das Wasser funkeln. Am Ufer liefen einige Wildenten herum. Kleine Fische sprangen auch ab und zu in die Höhe und schnappten nach Insekten. „Die Tierchen haben sicher auch ihre kleinen Sorgen, nur sind sie nicht so dramatisch wie meine.“ Es ist beruhigend zuzusehen, wie die Entenmutter ihre Jungen zu sich ruft und mit ihnen ins Wasser geht. Ein schönes Bild. Sie bewegten sich doch recht tollpatschig noch. Sieht wirklich lustig aus. Cyril grübelt ständig den Verlauf des letzten Telefonates nach. „Was hatte sie gesagt? War sie guter Dinge, wie sonst? Nein, sie sprach verhaltend. Sogar abweisend. Was war geschehen in den letzten Wochen in Rom? Sollte ich vielleicht in ihrer Firma anrufen und fragen, wie lange noch der Lehrgang geht? Ist sie wirklich zum Bildungsurlaub gefahren?“ Er nahm sein Handy zur Hand und rief die Telefonnummer von Bärbels Chef auf. Der Ruf ging raus und die Sekunden wurden zur Ewigkeit. Frieder Porgy meldete sich. „Guten Tag, mein Name ist Cyril Niep. Ich hätte gerne gewusst, wie lange der Bildungsurlaub von meiner Partnerin Bärbel Ledier geht?“ „Oh, sie arbeitet doch schon seit 6 Wochen nicht mehr bei uns. Sie hatte eine neue Anstellung in Rom gefunden. Sie sah darin eine neue Herausforderung. Sie war unzufrieden in der letzten Zeit, so dass die Kollegen sie mieden. Ihre schlechte Laune konnte keiner mehr ertragen. Wir konnten den Grund dafür nicht herausfinden.“ Cyril bedankte sich für die Auskunft und legte auf. Er kämpfte mit den Tränen. „Was ist falsch gelaufen. Wieso bemerkte ich nicht, dass sie eine Veränderung anstrebte. Nur weshalb ohne ihn?“ Einige Minuten sann er noch seinen Gedanken nach, dann stand er auf und lief noch ein wenig am Ufer entlang. Er kam dann zu dem kleinen Cafe kurz vor dem Ausgang des Anwesens. Er überlegte ein Weilchen, suchte sich ein Plätzchen im Schatten. Bestellte sich bei der Bedienung ein Stück Torte und einen Milchkaffee. Cyril ließ noch einmal die letzten Wochen vor Augen ablaufen, dabei erkannte er, dass sie kaum noch etwas zusammen unternahmen. Der letzte Kinobesuch lag auch schon ewig her. Jetzt erinnerte er sich auch, dass kein Lächeln mehr in ihren Augen zu sehen war. So zirka eine Stunde saß er in Gedanken versunken. Cyril wollte gerade zahlen, da kam eine ältere Frau vorbei. Sie sprach ihn an: „Geht es ihnen nicht gut? Sie sehen so nachdenklich aus?“ Sie setzte sich einfach zu ihm und winkte der Bedienung. „bringen sie mir bitte ein Erdbeerstück und eine Tasse Kaffee.“ Sie schaute ihn fest in die Augen. „Entschuldigen sie bitte, dass ich mich einfach so zu ihnen setze. Ich weiß wer sie sind und auch den Grund ihres Leidens.“ „Das können sie doch gar nicht wissen, denn ich kenne sie nicht.“ „Entschuldigen sie bitte, mein Name ist Christin Ledier. Ich bin die Mutter von Bärbel.“ „Sie sind ihre Mutter? Wissen sie schon, dass sie nicht zurückkommt? „ „Ich habe es gestern von Bärbel erfahren. War auch im Unklaren gehalten worden. Sie will, dass ich ihre Sachen Nachsende.“ Cyril, sah sie erstaunt an. „Ich verstehe es nicht. Wieso schleicht sie sich so davon? Konnte sie nicht ehrlich mit mir sprechen? Bin doch kein Unmensch, aber verstehen möchte ich schon, weshalb sie sich trennt von allem?“ „Ich verstehe mein Mädchen auch nicht. Sie verhielt sich vor Jahren schon einmal ähnlich. Damals ließ sie auch alles stehen und ging ins Ausland. Da verstand ich es schon nicht, denn sie ging damals nach Paris.„ „Glauben sie wirklich, dass sie nicht mehr zurückkommt? Ich frage mich nur, was habe ich falsch gemacht?“ „Cyril, wenn einer was falsch gemacht hatte, dann Bärbel. Sie war nicht ehrlich und zu feige, ihre neuen Pläne zu besprechen. Ich teilte ihr am Telefon gestern mit, dass sie die gleiche Masche abzieht, Ihre Antwort darauf: „Ach Mama, das ist Schnee von gestern!“ Junger Mann, vergessen sie mein Mädchen und gehen sie einen neuen Weg.“

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