Zwischen Kürbissuppe und Kerzenschein
Von Mari-WallMarie Jeanne sitzt verträumt auf der Sonnenseite ihrer Terrasse.
Immer öfter fallen ihr die Augenlider zu. Dann springt sie in die Zeit zurück, wo ihre Tochter noch ein kleines Kind war. Celine ließ es sich nicht nehmen, die Natur genauestens zu untersuchen. Kein Grashalm wurde ausgelassen. Sogar die Blumen wurden auf das gründlichste durchforstet. Selbst die Frösche waren eine Besonderheit. Am Apfelbaum streifte oft der Nachbarskater Miro herum und nutzte die Gelegenheit eventuell die Blaumeise zu erhaschen. Ein so aufgewecktes Mädchen. Sie erhob den Zeigefinger und schimpfte zu Miro hinauf. „Lass den Vogel in Ruhe. Dein Futter ist doch in deinem Schüsselchen. Willst du mich traurig machen? Ich mag euch doch alle!“ Miro blickte umher und tat so, als würde er nur die gute Aussicht hier oben genießen. Langsam kletterte er herab und sprang ihr vor die Füße. Sie streichelte den wunderschönen roten Kater. „Du bist wirklich lieb, dass du die Blaumeise in ihrem Zuhause nicht geärgert hast. Sie hat doch kleine Meisen Babys.“ Miro leckte sich das Mäulchen und grinste. „Du darfst bestimmt auch noch viel lernen, so wie ich. Also Miro, mache mir die Freude und erfreue dich an die Blaumeise und ihre Familie. Wie wäre es, wenn der Nachbar, dein Herrchen deine Familie belästigt und dir die Kinder raubt?“ Da schaute er sie empört an und drehte sich von ihr weg. Steuerte mit erhobenen Schwanz die Richtung zum Nachbargrundstück an. Marie Jeanne blinzelte kurz und sie nahm einen großen Gedankensprung.
Eine große junge Frau mit ihrem Kind. Der Junge war ebenso verspielt und untersuchte die Natur. Nur nicht so Zart und Bedacht, wie Celine einst. Er hatte grobe Züge und da ging doch manches kaputt. „Schade. Ihm fehlt wohl die Feinfühligkeit.“ Ihre Tochter bewegte sich in den Jahren stark und stets als Hilfsbereit. Sie spürte wie die Bilder im Eiltempo vorbeihuschten. „Bleibt die Zeit nicht stehen? Was geschieht gerade. Ich hatte doch eben erst mit ihnen die Kürbissuppe gegessen und nun stehen überall Kerzen in ihrer Leuchtkraft?“ Marie Jeanne wurde sanft an der Schulter gerüttelt und wunderte sich, dass es schon Dämmrig ist. „Du hast lange geschlafen. Hattest du wenigstens einen schönen Traum?“ Sie nickte und streichelte ihrer kleinen Enkelin Romane übers Haar. „Oma möctest du noch von der Kürbissuppe essen und wenn du magst zünden wir auch wieder die Kerze an?
Sie leuchtet doch so schön.“
„Ja, dass machen wir und dabei denken wir an die schönen Jahre zurück.“