Was macht der Nachbar in meinem Garten
von
Mari-Wall
Alle warten sehnsüchtig auf Regen und sind schon verzweifelt, denn der Rasen ist zu trocken.
Herman hatte bereits die Vier Regentonnen leer bekommen. Ab und zu sprengt er den Garten in der Nacht. Im Radio sagten sie durch: „Kein Leitungswasser nutzen für die Außenanlagen. Wir müssen diesen Sommer mit Wasserknappheit rechnen“
Luna liegt auch auf der Lauer und wünscht sich Regen. Hermans Vierbeiner hechelt mächtig bei dieser anhaltenden Hitze. 37 Grad im Schatten. Was wir hier im Norden gar nicht gewöhnt sind. Da sind 28 Grad ausreichend. Da tanzt man schon im Badeanzug auf der Wiese herum. Seine Frau Ute kann mit der Hitze überhaupt nicht umgehen. Ihr rotgetigerter Kater Ares, treibt sich gerne in den Nachbargärten herum, um Wasser zu bekommen. Er liebt das Streunern. Abseits vom Haus ist es einfach kühler und vertraute auf etwas mehr Schatten. Natürlich hofft er auch etwas zu entdecken. Am Waldrand sah er mal eine Quelle. Sie war geschützt durch eine Rosenhecke. Es soll ja keiner sehen, sonst würden sie alle Wasser wollen. Sie würde es begrüßen, wenn sie eine Außendusche hätten und öfters mal darunter springen könnten. Herman ist da knausrig, denn unnötige Ausgaben sind bei Ihm nicht drin. Anton und Anna, sind besser ausgestattet.
Sie haben im hinteren Teil einen kleinen Brunnen. Herman sah mal hinter seiner Rosenhecke, wie er die Pumpe betätigte und frisches Brunnenwasser floss. Klar und rein sah es aus. Anna nahm einen Topf und füllte ihn mit dem köstlichen Wasser. Ihr Kater Apollo schlich sofort zu ihnen und schleckte das frische nass vom Boden auf. Luna sah traurig zu ihm und jammerte leise. „Wieso haben wir keinen Brunnen? War Herman zu bequem einen bauen zu lassen? Oder wieder mal zu geizig?“ Ute beneidete Anna und Anton um das Glück einen eigenen Brunnen zu besitzen. Zum Glück bemerkte Ute eine dunkle Wolke am Himmel. „Ob die den Regen bringt? Oder ist das Hermans dunkle Seite die über die Gärten zieht?“
Der Hitzepegel stieg zur Nachmittagsstunde noch an. 40 Grad wurde angezeigt. Niemand mochte sich noch bewegen und Luna war schon so ermattet, dass Ares si
anstupste. „Komm rasch mit. Ich muss dir etwas zeigen. Verhalte dich aber ganz still. Herman darf es nicht mitbekommen. Sonst gibt es Ärger.“ Schleppend erhob sie sich und lief Ares hinterher. Sie schlichen durch die Büsche und kamen schließlich zum Randgebiet des Grundstückes. „Wie? Was willst du bei der Rosenhecke? Hier ist doch nicht genug Schatten? Ich habe solchen Durst.“ „Sei leise Luna. Komm einfach mit. Du wirst schon sehen.“ Sie lief Ares hinterher und wunderte sich, dass hinter dieser Hecke es nach frischen Wasser roch. Mit Erstaunen blieb sie stehen und bewunderte das kleine Wunderwerk. „Es ist ein alter Brunnen. Zwar nicht so groß, wie man es kannte, doch es ist ein Brunnen.“
Rasch schlüpften sie hinein und bestaunten den Wasserbrunnen. „Ein Wunder. Lasse uns rasch trinken, denn die Steine haben noch genug Vorrat, ehe die Sonne es uns wegtrinkt.“ Apollo kam soeben auch zu Ihnen und freute sich an den kühlen Wassertropfen. „Woher habt Ihr den Brunnen, Apollo? Weshalb bemerkten wir ihn nie?“ „Herrlich, wie im Paradies.“
„Anton und Anna besitzen ihn schon immer. Sie übernahmen vor 10 Jahren das komplette Grundstück in ihren Besitz.“ „Warum verstecken sie Ihn? Mögen sie kein Wasser teilen? Oder hat es mit Hermans Geiz zu tun?“ Plötzlich hörten sie Schritte. Luna und Ares nahmen reiß aus. Keine Minute zu spät. Sie hörten noch, dass Anna mit Apollo sprach. „Ich freue mich, dass es dir so gut geht mein Lieber. Würde deinen Freunden gerne eine Schale Wasser hinbringen, doch dann würde ich Probleme mit dem Nachbarn bekommen.“
Apollo sah sein Frauchen mit großen Augen an. „Was meinst du? Sie hatten dich besucht und konnten sich erfrischen?“ Apollo nickte mit seinem Köpfchen und streichelte mit dem Schwänzchen ihre Beine. Erleichtert atmete sie auf. „Wenn Herman nur nicht so geizig wäre und unfreundlich, dann könnte man sich einigen. Nur für Ute tut es mir leid, denn sie ist so eine nette Frau. Immer gibt es Menschen, denen man lieber aus dem Weg geht.“ Ute sah Luna und Ares von der Dornenhecke kommen und lächelte. „Hoffentlich hat Herman dies nicht gesehen, dann gibt es sicher Ärger mit den Nachbarn. Es ist so schade, dass er so ein Grummel pelz ist. Wir könnten sonst eine super Nachbarschaft pflegen.“ „Er hätte ja auch die Wasserversorgung vom Wasserhahn für den Garten freimachen können, dann wäre es ein leichtes eine Außendusche zu installieren. Darüber wurde ja im Radio nichts gesagt.“ Wieder sah man am Himmel eine dunkle Wolke. „Ob es vielleicht doch regnet? Oder zeigt sich Hermans Wut stärker?“ Ute lächelte in sich und sah zum Nachbargrundstück hinüber. „Was mag dort in der Rosenhecke versteckt sein? Luna und Ares kamen so erfrischt zurück? Ob ich die Nachbarn fragen könnte? Nein, lieber nicht, sonst bekomme ich mit Herman einen neuen Konflikt. Muss ich nicht herausfordern.“ Langsam ging die Sonne unter. Sieht so malerisch aus. „Wenn es nur endlich Regen gäbe. Dann würde die Blütenpracht noch schöner zur Geltung kommen. Luna und Ares, wir gehen ins Haus.“ Sie drehten sich noch einmal Richtung Apollo und zogen den Schwanz ein und marschierten dem Frauchen hinterher. Keine zwei Stunden später ging Ute ins Bett. Sie war von der Hitze am Tag so erschöpft. „Herman, wie sieht es mit dir aus? Kommst du schlafen?“ „Nein, ich will noch ein wenig Fernsehen.“ Kopfschüttelnd ging sie die Treppe hoch und zog die Gardinen zu. “Es soll ja Vollmond heute Nacht geben.“ Einige Zeit wartete Herman, bis er das Schnarchen seiner Frau hörte. Draußen war es dunkel und nur der Mond leuchtete ihm. Die Außenbeleuchtung war ebenfalls zwecks Sparmaßnahme ausgeschalten. Anton ging noch einmal durch die unteren Räume, sah nach dem Rechten. Plötzlich bemerkte er im Mondlicht einen Schatten vorbeihuschen. „Anna, guck mal oben aus dem Fenster, ist dort bei der Rosenhecke Jemand? Sieht aus, als schleicht einer im Garten herum?“ Sie rief hinunter: „Was macht der Nachbar in unserem Garten? Warum spioniert er bei der Rosenhecke?“ Anton nahm jetzt die Taschenlampe und ging leise zur Küchentür heraus. Schlich sich zum Brunnen und bemerkte Herman. Schaltete die Taschenlampe an und leuchtete direkt in sein Gesicht. „Was willst du in unserem Garten mitten in der Nacht?“ Herman erschrak und zitterte. „Ich, ich wollte nur schauen, was die Tiere hier gemacht hatten am Nachmittag. Schließlich ist es meine Pflicht aufzupassen.“ „Deine Pflicht ist es, nicht so geizig zu sein und deiner Familie Annehmlichkeiten zu schaffen und dir einen eigenen Brunnen zu bauen, oder wenigstens eine Außendusche, ebenso genügend Möglichkeiten zu bereiten für die Tiere.“ In den nächsten 3 Wochen war die Dusche installiert und der Anfang eines kleinen Brunnen zu erkennen. Ute lächelte und schaute über den Zaun zu Anna. „Danke Euch, dass Ihr ihm den Kopf zurechtgerückt habt und nun müssen wir es noch schaffen, dass Herman seinen Neid besiegt, auch freizügiger wird. Der Himmel sei Dank, es regnet.“