Warnschuss
von Mari-Wall
Joyce nahm sich seit Monaten vor in den Urlaub zu fahren. Sein Arbeitstag beträgt ständig 13 Stunden. Er hat einfach keine Freizeit im Blick. Jane ist inzwischen stinkig auf ihn. Kein gemeinsamen Urlaub seit 5 Jahren. Ihre Verzweiflung diesbezüglich geht an ihm vorbei. Sie haben keine wirklichen Gemeinsamkeiten mehr.
Jane traf sich mit seinem Bruder vor 3 Tagen im Tandoor. Jonas ist zwar der Ältere, doch nimmt er sich Zeit für die Familie. Indisch essen geht er regelmäßig. Jane hatte es immer vorgehabt. Heute ist sie entschlossen die Einladung von Ihm
anzunehmen. Ihr ist zwar bewusst, dass Joyce sehr eifersüchtig werden kann, doch will sie keine Rücksicht mehr nehmen. Schließlich geht es um die Planung für die Zukunft. Sie kam auf die Sekunde ins Restaurant. Jonas saß bereits am Tisch und genoss ein Glas Rotwein. Als er Jane sah, stand er sofort auf und ging ihr entgegen.
„Schön, dass du gekommen bist. Anastasia wird in einer halben Stunde hinzustoßen. Sie musste noch kurz bei Sandra vorbei. Ihre Mutter hatte ein kleines Problem und wollte es gerne beseitigt haben. Da störe ich nur.“
„Ich freue mich, dass die beiden so ein gutes Verhältnis haben. Was ist denn so dringend für die Planung der Zukunft?“
„Ich kann dir grob schon mal berichten. Wir sahen in Elmshorn einen Bauernhof mit einem riesigen Grundstück. Perfekt für unsere Wünsche Anastasia möchte gerne Pferde züchten und möglichst noch Katzen, auch Hunde besitzen.“
„Jonas, sind denn das auch deine Wünsche? Gut vorstellen könnte ich es mir bei ihr schon.“
„Ja, natürlich. Ich bin ganz bei ihr. Nur der Hof ist so groß, dass mehrere Familien darin wohnen könnten.“
„Klingt ja fantastisch. Was meint Sandra dazu?“
„Ihre Gedanken gehen schon ein Stück weiter. Sie würde gerne ihre Praxis mit Unterbringen. So könnte sie auch kosten sparen. Im Moment Frist die Praxis die Reserven auf.“
„Hast du mit deinem Bruder darüber schon gesprochen? Was meint er dazu?“
„Seit Wochen versuche ich es. Er drückt mich ständig weg. Es kommt nur eine SMS (Keine Zeit). Deshalb bin ich ja so froh, dass du die Einladung angenommen hast.“
„Seid Wochen versuche ich Joyce dazu zu bewegen, früher heim zu kommen, damit wir mal wieder ein normales Gespräch führen können. Keine Chance.“
Der Kellner kam zum Tisch und sie gaben ihre Bestellung auf. War gar nicht so leicht, dass richtige zu finden. Die Tür ging auf und Anastasia kam strahlend herein. Begrüßte Jane herzlich und ihren Mann gab sie einen leichten Kuss.
„Mein Liebling, hast du für mich auch das richtige bestellt? Du weißt ich liebe Lamm und schön scharf.“
Er lächelte sie zärtlich an und nickte ihr zu.
„Wie meine Königin befiehlt.“
Während sie auf das Essen warteten, goss Jonas für sie ein Glas Wasser ein.
Jane fragte sofort:
„Wie, kein Rotwein? Bist du etwa Schwanger?“
Anastasia nahm Jonas Hand und lächelte verdächtig.
„Da haben wir ja etwas zu feiern. Prima. Herzlichen Glückwunsch. In welchen Monat seit Ihr?“
Jonas kicherte und grinste frech.
„Wir haben heute unseren Termin gehabt und erfuhren es wird ein Jury. Anfang 6. Monat. Deshalb eilt es mit der Zukunftsplanung.“
Jane nahm ihr Handy zur Hand und drückte den Rückruf vom Joyce Büro.
Der Ruf ging raus und niemand nahm ab. Sie wählte erneut und ließ es bis zum Ende durch klingeln.
„Merkwürdig. Er ist nicht im Büro. Wo mag er nur sein?“
Plötzlich machte sich ihr Handy bemerkbar mit dem Ton einer Trompete. Joyce liebt diese Melodie. Sie nahm ab und wunderte sich, über die fremde Stimme von seinem Handy.
„Was ist passiert? Wo ist Joyce? Kann ich ihn sprechen?“
Sie atmete tief durch und lauschte der fremden Stimme.
„Ihr Mann wird gerade ins Kreiskrankenhaus gebracht. Verdacht auf Herzinfarkt. Bitte kommen sie und bringen ihm einige Sachen, denn er wird wohl etwas länger bleiben.“
Sie schauen entsetzt Jane an.
„Wie, Herzinfarkt? Er strotzte doch nur vor Gesundheit?“
„Dachte ich auch. Nun hat er einen Warnschuss erhalten und bekommt Zwangsurlaub.“
Sie zahlten und fuhren Gemeinsam ins Krankenhaus. Es zog sich über Stunden hin, so dass Jane allein blieb und die beiden heimfuhren.
Die Krankenschwester Selma berichtete ihr, dass er zwei Bypässe bekam und nun auf der Intensivstation liegt.
„Er hat nochmal Glück gehabt und sollte diesen Warnschuss in Zukunft nicht ignorieren.“
Am nächsten Tag wurde er auf die normale Station verlegt und sie konnte ihn besuchen.
Leise klopften sie an und sahen sehr erschrocken aus, weil Joyce sehr Elend aussah.
„Jetzt hast du ja Zeit, dass wir mit dir sprechen können. Brauchst nicht die Stirn krausziehen, denn dich bekommt man ja nicht zu fassen. So musste der Höchste eingreifen und dich platt machen.“
Sie berichteten das Vorhaben und Joyce lächelte:
„Genau das was der Doktor mir angeraten hatte vor einer Stunde. Raus an die Luft und das Büro hinter sich lassen.“
„Bist du dabei? Kannst sogar dein Büro auch auf dem Hof einrichten, denn wir haben noch mindestens 5 Räume frei dafür. Sandra beteiligt sich auch und wird ihre Praxis ebenfalls mitnehmen. So können wir doch in Zukunft wie im Paradies leben und stets die frische Luft einatmen.“
Joyce lachte und nahm seine Jane an die Hand und strahlte. Ich nehme den Warnschuss ernst.“
Mari-Wall
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