OSTERWIEDE
Von
Mari-Wall
„Rosmarie, hast du gehört, dass Ostern dieses Jahr mit einer Wanderung durchgeführt werden soll?“
„nein, wer hat dies beschlossen?“ „unsere Enkelkinder möchten Ostern mal anders verleben. Sie möchten gerne wandern und in Osterwiede am See picknicken.“ Alle wurden sehr lebendig und begannen mit den Vorbereitungen. Bernd nahm sich den Atlas vor und studierte die Begebenheit des Ortes und wie weit entfernt er ist. Marco und seine Jungs Emil und Elmar überlegten bereits, was sie mitnehmen wollten. Bei Jasmin verlief es ähnlich, denn Simon und Lucia hatten auf alle fälle das IPhone angedacht einzupacken. Oma Miriam schüttelte nur mit dem Kopf, denn dies sollte doch mal ausgeschalten bleiben, weil sie ohne schon gar nicht mehr auskommen. Zum Glück ist das bei den Jungs nicht so. Juliette hatte an diesem Tag andere Pläne. Schade fanden es alle. Sie ist so selten bei Familienfeiern dabei. Vielleicht können wir Jonas ihren Freund ja mal überzeugen, dass er sie umstimmt.„
Jeder machte sich seine eigenen Gedanken, wie der Tag sein sollte. Bernd
Kümmerte sich um die Getränke und Rosmarie sorgte für Gesundes. Jasmin übernahm die Speisen, welche gebraten wurden. Marco kümmerte sich mit den Jungs um den Nachtisch. Oma Miriam übernahm den Rest. Lucia war der Meinung sich bedienen zu lassen, das wäre ausreichend. Simon sorgte für Musik, denn er studierte fleißig ein neues Stück auf der Gitarre ein. Jonas versprach mit Juliette zu kommen und würde für die bunten Eier sorgen. Er fragte noch bei Oma Miriam an, welche Farben sie bevorzugte. „Nimm doch die Regenbogenfarben, dann sind alle zufrieden. Ich wäre es auf jeden Fall.“
Miriam nahm sich vor, eine kleine Geschichte zum Besten zu bringen. Nun kann der Tag kommen und es kann nichts schief gehen.
Am Ostersonntag fuhren sie gemeinsam nach Osterwiede zum See. Dort wanderten sie mit ihren Picknickkörben um ihn herum. Bernd hatte vorsichtshalber den Bollerwagen mitgenommen. Zum Glück passte er in den Kofferraum rein. Auch die Utensilien für das gemeinsame Picknick fand Platz darin.
Die Sonnenstrahlen verzauberten die Landschaft in glitzernde Lichtereffekte. Ein malerisches Bild. Die Herzen der Kinder begannen zu hüpfen und eifrig rannten sie voraus. „Ach ist das ein schöner Ostersonntag.
Wir sollten immer so Ostern feiern. Mitten in der Natur und alle zusammen.“ Jasmin meinte: „Schade, dass Anja nicht dabei sein kann.“
Laut riefen die Kinder: „Hier ist eine Bank und auch ein Tisch. So können wir sitzen und direkt auf das Wasser schauen und die vielen Insekten und Vögel beobachten. Herrlich.“ Zum erstaunen aller, wurde der Himmel mit leuchtenden blauen Wolken bestückt. Fantastisch so ein Bildnis der Natur. Miriam ging in sich und bemerkte: „Ein Gottes Geschenk. Wir können dankbar sein, für diesen besonderen Tag.“ Sie richteten sich am Picknickplatz ein und wanderten ein wenig am See weiter und nach gefühlten Stunden, wie die Kinder meinten, trat der Hunger ein. Jeder deckte seine Mitbringsel auf den Tisch. Er war vielseitig und Bunt. Für das Auge und jedem seinen Geschmack etwas dabei. Für die trockenen Kehlen gab es auch feine Säfte und frisches Mineralwasser. An solch einem Tag wurde kein Alkohol getrunken. Dies wurde streng von Oma Miriam abgelehnt. Rosmarie und Bernd hatten Spiele mit im Gepäck, falls die Jungs etwas ausruhen wollten. Sie sind immer sehr bedacht und aufmerksam mit ihren Enkelkindern. „Ich finde, sie sind sehr aufmerksame Großeltern.“
Nachdem sie gut gespeist hatten, verlangten die Kinder nun eine Geschichte. Juliette verdrehte die Augen und flüsterte mit Jonas. „Wollen wir in der Zeit ans Wasser gehen? „ Meinst du nicht, das dies unhöflich ist?“ Die Omas bemerkten beide das Knistern der Jugendlichen. „geht nur, ist sowieso mehr für die Kleineren etwas und für Großeltern.“ Kichernd zischten sie ab. Man hörte nur noch, „endlich.“
Jetzt schauten sie Alle auf den See und hörten den Ton der Klangschale zu. Oma Miriam räusperte sich kurz und begann.
„Vor 7 000 000 Jahren gab es eine Drachenfamilie im Süden Indiens. Paryna hatte ein Nachkömmling Tara. Sie wollte mit sieben Monaten schon unbedingt auf große Reise gehen. Ihre Unruhe brachte die Familie oft in Nöten. Eines Morgen begab sich Tara auf Wanderschaft, denn Paryna musste dringend zu ihrem Mann Thore fliegen, denn der angrenzende Drachenfürst Picore war wieder zornig und wollte das Reich angreifen. So bat sie Tara artig zu sein, bis sie zurück sind. Natürlich versprach sie es, so wie Kinder es immer machen, weil sie ja noch nicht wissen, was alles noch passieren kann. Die Sonne kitzelte ihre Nase herrlich und das Abenteuergefühl kam zum Vorschein. Hinter der Rosenhecke ist bestimmt ein Schatz verborgen? Gestern sah sie vom Übungsflug aus kleine Wesen herumlaufen. Es flimmerten so bunte Farben im Sonnenlicht. Sie mussdringend nachsehen, was es auf sich hat. Mama Paryna wird sich sicher freuen über solch einen bunten Schatz. Vielleicht kann ich was Neues lernen? Tara pustete ihre Wangen auf, legte in den Hinterbeinen alle Kraft rein und hob zum Sprung an. Sie hob sich ab und flog über die Hecke und glaubte kaum, was sie da sah. Gefleckte Fellwesen mit langen Ohren. Sie malten mit Pinseln rundliche Steine an. Zögernd fragte sie den, der am schönsten lächelte: „Was machst du hier? Bist du auch ein Drachenkind?“ „Nein, ich bin ein Hase und wir malen die Eier bunt. Die Tiere und Menschenwesen mögen dies im Frühling immer sehr.“ „Oh, das wusste ich nicht. Bei uns Drachen macht niemand so etwas. Wir fliegen über die weite des Landes und zünden manchmal ein Feuer für die Menschenwesen an, wenn es ihnen zu kalt ist.“ Tara ging jetzt ganz mutig zu ihm und fragte: „heißt ihr alle nur Hasen?“ Nun lachte er laut auf. „Nein, mein Name ist Byrgi. Ich stamme von der Hasenfamilie am Heckenstieg ab. Dort leben alle meine Verwandten.“ „Ich stamme von der Drachenfamilie Schluchtlinie ab. Einige Flugschläge hinter dieser Hecke.“ Merkwürdig, dass wir uns noch nie begegnet sind. „Ich freue
mich sehr Byrgi, dass wir uns jetzt getroffen haben. Ich bin Tara und das Nesthäkchen sozusagen.“ „Ich bin der Ältere unserer Sippe. Male schon viermal mit. Es macht viel Spaß. Willst du es mal versuchen?“ „Gerne, wenn du mir es zutraust?“ „Hier nimm den Pinsel und tauche ganz tief in die rote Farbe ein, dann streiche sie auf dem Ei auf. ? Pass auf, dass es dir nicht wegrollt. Du darfst auch nicht so stark aufdrücken, dann zerbricht es.“ “Ja, ja, ich versuche es. Knack, Tara verschätzte ihre Druckkraft und es zerbrach.“ Ihr kamen die Tränen und schluchzend legte sie den Pinsel weg. „Na, versuche es doch noch einmal. Mir ging auch am Anfang so manches Ei kaputt. Bruch dürfen wir in der Pause verspeisen. Sie sind echt lecker. Nur der Meister zieht dann die Augenbraun hoch und mahnt zur Ordnung.“ „Wie schmecken sie denn? Darf ich mein zerdrücktes auch essen?“ Der Meister rief herüber: „Ja, probiere doch ob sie dir schmecken? Danach darfst du es wieder versuchen.“ Tara leckte sich noch die letzten Krümel aus dem Mundwinkel und begann erneut den Pinsel in die rote Farbe zu stecken und malte mit ganz leichtem Pinselstrich das Ei an. Sie legte es vorsichtig ins Gras und nahm das Nächste. Nun tauchte sie den Pinsel in das Sonnengelb ein und die Zeit verging dabei. Plötzlich schrak sie auf: „Oh, ich muss nach Hause, denn sie sind bestimmt schon in Sorge um mich.
Byrgi darf ich von euch erzählen?“ „Ja, mache dies und wenn sie wollen, können wir einige der bunten Eier zum Fest bringen.“ „Ja, danke. Ich sage Bescheid.“ Taryna und Thore waren schon sehr in Sorge und suchten alles ab, wo Tara hätte sein können. Nun sahen sie, wie sie gerade über die Rosenhecke flog und landete. Sie spuckten kleine Flammen vor Erleichterung. Sie wollte mit ihrer Flamme antworten, doch sie ist noch viel zu klein. Lächelnd fragten sie: „Wo warst du? Wir baten dich doch artig zu sein?“ „Ich wollte nur mal schauen, was hinter dieser Hecke ist und dort wohnen Hasen. Sie malen Eier bunt an. Die zerbrochenen darf man essen. Sie schmecken wirklich gut. Ich durfte auch malen. Wenn ihr wollt, dann würden sie uns zum Fest welche bringen.“ “Hole doch erstmal Luft. Du überschlägst dich fast beim Erzählen. Natürlich wollen wir gerne welche haben. Nur diesmal fliegt Papa Thore zu ihnen und gibt Bescheid.„ Nach einigen Stunden kam Thore zurück und berichtete seiner Familie, dass sie alle zum Fest mit den Hasen hier in der Schluchtlinie feiern wollen.“ Tara freut sich sehr darüber und ging bald schlafen, damit sie zum Fest hellwach ist und nichts verpasst.“
Die Klangschale ertönte erneut und Niemand wollte diesen Nachhall von Ton stören. „So nun greift noch mal zu den Speisen, damit wir nicht wieder die Hälfte mit nach Hause nehmen. Danach vertreten wir uns ein wenig die Füße und packen zusammen.“ Bernd sammelte überall den Müll auf, der runtergefallen war.
Oma Miriam wünschte sich im nächsten Jahr wieder solch ein gemeinsames Osterfest.
„So Gott will und alle gesund bleiben, wäre nichts dagegen zusagen.“
Mari-Wall